Die Rechnung ist klar: Pro Tonnenkilometer verursacht Strassengüterverkehr mehr als viermal so hohe externe Kosten wie die Schiene. 2,1 Milliarden Euro pro Jahr beziffert eine Studie im Rahmen der EU-Alpenraumstrategie EUSALP für den rund 430 Kilometer langen Brennerkorridor zwischen München und Verona, etwa 1,1 Milliarden Euro davon entfallen auf den Güterverkehr per Strasse. Der Schienenverkehr verursacht nur rund vier Prozent der externen Kosten, zudem entsteht durch Bahnverkehr rund 85 Prozent weniger CO2 und der Energieverbrauch liegt etwa 80 Prozent tiefer.
Unternehmen rechnen anders als Anwohner: für Logistiker bleibt die Strasse oft wirtschaftlich attraktiver, für Gesundheit, Klima und Ökosysteme ist sie deutlich teurer.
Die Untersuchung im Rahmen der EU-Alpenraumstrategie EUSALP fasst unter dem Begriff externe Kosten jene Folgekosten zusammen, die nicht von den Transporteuren getragen werden, sondern von der Allgemeinheit. Dazu zählen Gesundheitsausgaben, Kosten der Klimaanpassung, Schäden durch Luftverschmutzung und Lärm, die Beeinträchtigung von Ökosystemen sowie wirtschaftliche Folgekosten durch Zeitverluste in Staus und Gesundheitskosten bei Unfällen. Auf dem rund 430 Kilometer langen Korridor zwischen München und Verona summieren sich diese Posten laut Studie auf über 2,1 Milliarden Euro pro Jahr.
Der Grossteil dieser Summe ist auf den Strassengüterverkehr zurückzuführen. Die Studie nennt konkret 1,1 Milliarden Euro, die dem Güterverkehr auf der Strasse zuzurechnen sind. Demgegenüber liegt der Anteil des Schienenverkehrs an den externen Kosten bei nur rund vier Prozent. In der Addition resultiert daraus, dass 96 Prozent der externen Kosten entlang des Korridors durch Strassennutzung verursacht werden.
Effizienz, Emissionen, Alpeneffekt
Die Analyse vergleicht die Modalitäten auch auf einer Verrechnungsebene pro Tonnenkilometer. Ergebnis: Der Strassentransport verursacht mehr als viermal so hohe externe Kosten pro Tonnenkilometer wie der Transport auf der Schiene. Die Studie führt das auf klare Effizienz- und Emissionsvorteile der Bahn zurück. Gemäss den Autoren erzeugt Schienentransport rund 85 Prozent weniger CO2-Emissionen und verbraucht etwa 80 Prozent weniger Energie als vergleichbare Transporte auf der Strasse. Entsprechend sind die externen Kosten der Schiene etwa fünfmal niedriger als jene der Strasse.
Die Unterschiede schlagen in alpinen Tälern besonders heftig zu Buche. Topografische und meteorologische Bedingungen verstärken dort die gesundheitlichen und ökologischen Folgen von Emissionen und Lärm, sodass jede zusätzliche Lkw-Fahrt überproportionale Schäden verursacht.
Die Studie hebt damit hervor, dass regionale Belastungsdifferenzen politische Antworten nach sich ziehen müssen, die über einfache Durchschnittswerte hinausgehen.
Ein weiterer Befund der Studie betrifft Routenwahl und Mautpolitik. Etwa ein Drittel der Transit-Lkw passieren Tirol, obwohl eine mehr als 60 Kilometer kürzere Route zur Verfügung stünde. Als wesentlicher Grund nennen die Autoren die vergleichsweise niedrigen Mautkosten entlang des Brennerkorridors, was die Strasse für Logistiker wirtschaftlich attraktiver macht und zu einer Marktverzerrung führt.
Vor diesem Hintergrund fordert der Tiroler Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) eine Korrektur der Preisbildung. Er sagt: „Bei dem von den Transportunternehmen gezahlten Preis hat die Schiene einen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Straßentransport. Dabei wird nämlich weitgehend außer Acht gelassen, welche Kosten für die Allgemeinheit anfallen. Diese Kosten sollte eigentlich der Verursacher, in diesem Fall der Güterverkehr auf der Straße, tragen.“
Tirol hat bereits reagiert und eine Reihe eigener Massnahmen verhängt, darunter ein Nachtfahrverbot für Lkw und eine Lkw-Blockabfertigung beziehungsweise Dosierung, um die Belastungen für Anwohner zu reduzieren. Diese Eingriffe sorgten für Konflikte mit Italien: Rom reichte im Juli 2024 Klage beim Europäischen Gerichtshof ein, weil es die Tiroler Regeln als Einschränkung des freien Warenverkehrs in der EU betrachtet. Nach Angaben aus Tirol steht inzwischen eine mündliche Verhandlung der italienischen Klage vor dem EuGH an.
Parallel gilt die geplante Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels, der laut Studie 2032 erwartet wird, als ein Strukturfaktor, der vor allem Lärmprobleme entlang der bisherigen Strecke deutlich verringern könnte. Die Studie betont jedoch, dass Infrastruktur allein die Verlagerung nicht erzwingt, solange die Preis- und Anreizstrukturen auf die internen Kosten von Verkehrsträgern zugeschnitten bleiben.
Die ökonomische Perspektive liefert den zentralen Gegenpunkt: Für Transportunternehmen zählen primär interne Kosten wie Treibstoff, Personal und Fahrzeuge. Diese operativen Aufwände machen Strassentransport weiterhin betriebswirtschaftlich attraktiv. Aus Sicht der öffentlichen Hand und der Anwohner dagegen übersteigen die externen Folgen die internen Vorteile deutlich. Dieser Interessenkonflikt steht im Zentrum der Debatte über Mautpolitik, Umweltabgaben und Förderungen zur Verlagerung von Gütern auf die Schiene.
Die Studie empfiehlt deshalb, Marktverzerrungen mittels korrekter Bepreisung externer Effekte zu korrigieren, um die tatsächlichen Kosten sichtbar zu machen und damit Anreize für eine Verkehrsverlagerung zu schaffen. Dazu gehören, implizit oder explizit, höhere Mauttarife für Transit-Lkw, Lärmentgelte, Umweltabgaben oder auch eine stärkere finanzielle Förderung der Schiene.
Für Unternehmen und Konsumentinnen bringt die Untersuchung konkrete Handlungsoptionen. Fragen Sie bei Logistikdienstleistern und Lieferanten nach Angaben zu CO2-Emissionen, Energieverbrauch und bevorzugten Transportwegen. Verlangen Sie Transparenz über die gewählte Verkehrsmodalität und die Gründe dafür. Auf politischer Ebene können Wählerinnen und Wähler die Forderung nach „Kostenwahrheit“ unterstützen, damit externe Kosten in die Preisbildung eingehen und Marktanreize für die Schiene entstehen.
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Als nächster politischer Meilenstein steht die mündliche Verhandlung der italienischen Klage vor dem EuGH an. Deren Ausgang wird Massnahmen wie Lkw-Dosierung und Mautregeln prüfen und damit den Spielraum für künftige Preisregulierungen am Brenner entscheidend mitbestimmen.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.