Starlink plant in den kommenden zwei Jahren rund 15'000 zusätzliche Satelliten, was die Versorgung von Handys mit Satelliten-Internet deutlich ausweiten könnte. Die Direct-to-Cell-Technik sendet Internet-Signale direkt an Smartphones und kann so Netzsperren in Ländern wie Iran, China oder Nordkorea umgehen. Fachleute sagen, das aktuelle System sei noch zu schwach für Massendemonstrationen, doch die Ausbaupläne ändern die Lage. Steigt die Kapazität, verliert staatliche Zensur ein wichtiges Mittel zur Kontrolle.
Wie Direct-to-Cell funktioniert
Direct-to-Cell meint Satelliten, die Signale direkt an Mobiltelefone senden. Smartphone-Besitzer müssen dafür nichts tun. Ist das Signal da, verbinden sich die Geräte automatisch mit dem Satellitennetz.
Ein einzelner Starlink-Satellit sendet laut Fachleuten mehrere sogenannte Beams zur Erde. Jeder Beam liefert dabei grob die Bandbreite von etwa 10 Megabytes pro Sekunde. Das ist genug, um ein Video in HD-Qualität zu streamen, sagt Pietro Ronchetti, der sich an der ETH Zürich mit dem Starlink-Netzwerk beschäftigt.
Aber die Kapazität wird geteilt. Viele Nutzer in Reichweite teilen sich dieselben Beams. "Weil sich sämtliche Nutzer in Reichweite des Satelliten diese Signale teilen müssen, wird das gegenwärtige Direct-to-Cell-Netzwerk schnell überlastet", sagt Ronchetti. Wenn Hunderte Menschen in einer Stadt denselben Beam nutzen, reicht die Rate pro Person oft nur noch für Textnachrichten. Versuchen Tausende, sich gleichzeitig zu koordinieren, bricht das Netz zusammen.
Warum Autokraten alarmiert sind
Autoritäre Regime nutzen Netzsperren und Zensur als Mittel, um Proteste zu unterdrücken. Schalten Staatsstellen das Internet ab, verlieren Demonstrierende oft die Möglichkeit, sich zu vernetzen und Aktionen zu koordinieren.
Direct-to-Cell könnte solche Sperren umgehen, weil Satelliten Signale aus dem Ausland liefern, die nationalen Zensurvorgaben nicht unterliegen.
Das hat in Ländern wie Iran, China und Nordkorea Besorgnis ausgelöst. Die Möglichkeit, dass unabhängige Kommunikationskanäle Bürgern Zugang zu Informationen und Koordination geben, trifft eines der zentralen Werkzeuge der Repression. Jérôme Duberry, Leiter des Tech-Hubs am IHEID in Genf, sagt, dass Regime diese Entwicklung aufmerksam verfolgten und weiterhin Mittel hätten, um Gegenmassnahmen zu ergreifen.
Welche Gegenmassnahmen das konkret sein können, wird in der öffentlichen Debatte genannt. Die Fachleute, mit denen die NZZ sprach, betonen jedoch, dass technische Schwächen des aktuellen Systems den unmittelbaren Durchbruch verhindern. Gleichzeitig zeigen die Ausbaupläne, wie schnell sich die Lage ändern kann.
Ausbaupläne und technische Grenzen
Starlink hat amerikanischen Behörden mitgeteilt, in den kommenden zwei Jahren rund 15'000 zusätzliche Internetsatelliten betreiben zu wollen. Langfristig liegt das Ziel bei etwa 42'000 Satelliten und einer weltweiten 5G-Abdeckung, so die Angaben in der Analyse.
Das bedeutet sowohl mehr Abdeckung als auch mehr Kapazität pro Region. Je mehr Satelliten gleichzeitig Beams senden, desto geringer wäre die Anzahl der Nutzer pro Beam.
Dann steigen die Datenraten pro Nutzer. Das würde Direct-to-Cell tauglicher für Anwendungen mit hohem Bandbreitenbedarf, etwa Live-Video oder grossflächige Mobilisierung.
Gleichzeitig bleiben technische und logistische Hürden. Satellitenfunk ist wetterabhängig. Die nötige Bodeninfrastruktur und Freigaben in vielen Ländern fehlen. Und selbst eine globale Abdeckung reicht nicht automatisch, um Zensur zu neutralisieren, solange Regime andere Hebel behalten.
Wer ist betroffen
Betroffen sind zuerst Bürgerinnen und Bürger in Staaten mit restriktiver Netzpolitik. Dort könnten unabhängige Kommunikationswege den Informationsfluss ändern. Betroffen sind auch Staaten, die auf digitale Überwachung und Abschaltung als Instrument zurückgreifen. Regime verlieren ein Instrument ihrer Repressionsarchitektur.
Betroffen sind zudem Technologieanbieter und US-Behörden. Der Ausbau wirft Fragen zu Frequenzzuteilung, nationaler Regulierung und geopolitischen Spannungen auf. Staaten werden über Antworten beraten müssen, etwa über technische Gegenmassnahmen oder gesetzliche Regelungen.
Pietro Ronchetti betont die aktuelle Begrenzung: Direct-to-Cell sei noch nicht robust genug, um landesweite Proteste zuverlässig zu tragen. Zugleich zeige die Wachstumsperspektive, dass sich die technische Balance rasch verschieben könne. Jérôme Duberry weist darauf hin, dass Regime nicht machtlos dastehen; sie hätten weiterhin Wege, Kontrolle auszuüben.
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Starlink hat den US-Behörden mitgeteilt, in zwei Jahren rund 15'000 Satelliten betreiben zu wollen; die Genehmigungen in dieser Frist werden entscheidend sein.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.