Im Saal des jährlichen Choose France-Gipfels in Paris am 1. Juni standen Regierungsvertreter, Diplomaten und internationale Investoren, als die Bühne von Investitionsankündigungen dominiert wurde. Frankreich präsentierte 71 Projekte im Wert von 93 Milliarden Euro, die nach Angaben der Veranstalter mehr als 15'600 Arbeitsplätze schaffen sollen. Präsident Emmanuel Macron stellte die Zusagen als Teil einer Strategie vor, Frankreich als europäischen Standort für künstliche Intelligenz und Rechenzentren zu positionieren, gestützt auf den relativ kohlenstoffarmen Strommix des Landes. Kurzfristig enthalten die Projekte konkrete Bau- und Betriebszeitpläne bis 2030 beziehungsweise 2031; langfristig zielen sie darauf ab, Wertschöpfung, Forschung und hochqualifizierte Arbeitsplätze in Frankreich.
Auf der Bühne betonte Macron die Verbindung von Energie, Infrastruktur und Technologie, und machte klar, dass Frankreich seine Energievorteile nutzen will, um die Ansiedlung grosser KI-Infrastrukturen zu beschleunigen.
Grosse KI- und Rechenzentrumsprojekte
Die schwergewichtigsten Zusagen betreffen unmittelbar KI-Infrastruktur und Rechenzentren. SoftBank plant demnach den Aufbau und Betrieb von insgesamt 5 GW speziell für KI ausgelegter Rechenzentrumskapazität in Frankreich, darunter eine anfängliche Investition von 45 Milliarden Euro für 3,1 GW in der Region Hauts-de-France bis 2031, laut Ankündigung. Für dieses Paket werden etwa 8'600 Arbeitsplätze während der Bauphase und rund 900 dauerhafte Betriebsplätze erwartet.
Der kanadische Asset-Manager Brookfield erhöhte seine zugesagten AI-Investitionen in Frankreich auf 30 Milliarden Euro, nachdem er bereits 2025 20 Milliarden angekündigt hatte. Die zusätzlichen Mittel sollen unter anderem Standorte im Norden Frankreichs abdecken und damit die regionale Clusterdichte erhöhen, so die Formulierung der Ankündigung.
Das niederländische Cloud-Unternehmen Nebius plant, ein ehemaliges Bridgestone-Areal in einen grossen europäischen Rechenzentrumsstandort zu verwandeln und mehr als 8 Milliarden Euro zu investieren, mit einer Zielkapazität von 240 Megawatt. Weitere Projekte umfassen eine zweite grössere AI-Anlage, deren Standort laut Ankündigung noch ausgewählt werden soll und die rund 7,5 Milliarden Euro sowie etwa 700 Dauerarbeitsplätze bringen soll, sowie ein digitales Infrastruktur-Campusprojekt in der Pariser Region mit bis zu 5 Milliarden Euro Investitionsvolumen.
In Summe geht es damit nicht nur um Server und Hallen. Die Ankündigungen enthalten Zeitpläne für Bau und Betrieb bis 2030/2031; sie adressieren Lieferketten, Standortwahl und Personalbedarf und versuchen, Forschung und industrielle Wertschöpfung im Land zu verankern.
Neben den KI-Investitionen wurden mehrere Industrie- und Energieprojekte bekanntgegeben. Der portugiesische Energiekonzern EDP sagte neue Investitionen von 1,3 Milliarden Euro bis 2030 für Wind-, Solar-, Batteriespeicher- und Netzinfrastruktur zu. Der deutsche Erneuerer Enertrag kündigte ein Investitionsprogramm von 1,1 Milliarden Euro bis 2030 für Erneuerbare und Batteriespeicher an. Das italienische Stahlunternehmen Marcegaglia erhöhte die Mittel für sein Projekt Mistral bei Fos-sur-Mer um 600 Millionen Euro. Zudem stellten Smurfit Westrock und Boehringer Ingelheim weitere Mittel zur Modernisierung beziehungsweise zur Stärkung der Tiergesundheitsproduktion in Aussicht.
Diese Energie- und Industrieprogramme ergänzen die KI-Offensive: effiziente, möglichst kohlenstoffarme Stromversorgung ist ein zentrales Standortargument für energieintensive Rechenzentren und für industrielle Dekarbonisierung.
Neben den wirtschaftlichen Themen entbrannte auf der politischen Bühne eine Debatte über Frankreichs strategische Ausrichtung. Die Vorsitzende des Rassemblement National, Marine Le Pen, bekräftigte am 22. Mai in einem Fernsehinterview, sie wolle Frankreichs Teilnahme am integrierten militärischen Kommando der NATO beenden, ohne das Land vollständig aus dem Bündnis auszutreten. Sie sagte, "Wir müssen aus dem integrierten Kommando der NATO austreten. Wir sollten in der NATO bleiben, aber der Austritt aus dem Kommando verhindert nicht die Interoperabilität mit den Verbündeten."
Aussenminister Jean-Noel Barrot bezeichnete diese Forderung als "offensichtlich unvernünftig und völlig unverantwortlich" und warnte davor, dass ein solcher Schritt in Zeiten, in denen Bündnispartner russischen Aggressionen ausgesetzt seien, als Verrat angesehen werden könnte. Die Debatte ist historisch verankert: 1966 hatte Charles de Gaulle Frankreichs Ausscheiden aus dem integrierten NATO-Kommando veranlasst, eine Entscheidung, die 2009 unter Präsident Nicolas Sarkozy wieder rückgängig gemacht wurde. Die Forderung Le Pens berührt damit tiefere Fragen französischer strategischer Autonomie und der Balance zwischen Souveränitätsanspruch und Bündnisverpflichtung.
Schliesslich hat Frankreichs Kalender in den kommenden Wochen mehrere markante Termine. Sportlich beginnt die Tour de France am 4. Juli 2026 in Barcelona und endet am 26. Juli in Paris, ein Grossereignis mit wirtschaftlichen Effekten für die Regionen entlang der Strecke. Politisch steht für Marine Le Pen eine Entscheidung eines Berufungsgerichts über ihre Kandidatur für die Präsidentschaft bevor, die laut ihren Beratern noch in diesem Jahr getroffen werden soll.
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Die Strategie wird bereits diesen Sommer sichtbar: Die Tour de France startet am 4. Juli 2026 und führt durch Regionen, die zugleich Ziel der neuen Investitionen sind, das Rennen wird so zum nationalen Schaufenster für die angekündigten Projekte.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.