Mehr als 800.000 angebliche Überzählungen stehen im Widerspruch zur Bestätigung internationaler Wahlbeobachter. Präsident Gustavo Petro erhob am 2. Juni in Bogotá öffentlich Vorwürfe eines möglichen Wahlbetrugs bei der ersten Wahlrunde und sagte, er verfüge über überprüfbare Grundlagen, die er den zuständigen Behörden vorlegen könne. Die Registraduría Nacional und internationale Missionen, darunter US- und EU-Teams, bekräftigen dagegen die Integrität des Urnengangs. Die Anschuldigungen verschärfen die politische Auseinandersetzung vor der Stichwahl am 21. Juni 2026 und könnten unentschlossene Wähler beeinflussen.

Petro behauptet, er habe überprüfbare Belege, doch die nationale Wahlbehörde legt detaillierte Verwaltungsdaten vor, die das Verfahren erklären. Der Präsident nannte als zentrales Element Zahlen aus dem Vorabrechnungssystem und sagte, dort seien 885.409 Personen enthalten gewesen, mehr als im offiziellen Zensus. Er verwies zudem auf angebliche Anomalien an einzelnen Wahltischen, an denen seiner Darstellung zufolge deutlich mehr Wähler registriert gewesen seien, als praktisch hätten wählen können. Petro kündigte an, er könne die von ihm angeführten Belege den zuständigen Institutionen übergeben.

Die Registraduría Nacional wies die Darstellung zurück und erklärte, Zensus, Verteilung der Wahlstellen und die verwendeten IT-Systeme seien im Voraus definiert, veröffentlicht und Parteibeobachtern zur Prüfung übergeben worden. Konkret legte die Behörde Verwaltungsdaten vor: Der Zeitraum zur Registrierung von Wählerinnen und Wählern endete am 31. März. Der abschließende Wählerregisterauszug für die Präsidentschaftswahlen mit 41.421.973 Stimmberechtigten wurde den Parteien am 30. April übermittelt. Die Verteilung der Wahlstellen wurde mit Beschluss vom 4. Mai veröffentlicht und am gleichen Tag den politischen Organisationen zugestellt.

Für die Wahl am 12. April seien 122.020 Wahltische vorgesehen gewesen, davon hätten in Kolumbien 120.527 funktioniert, 1.489 im Ausland und vier zusätzliche Tische seien aus besonderen Gründen eingerichtet worden. Die Behörde wies Anwürfe zurück, es habe am 26. Mai Änderungen an den eingesetzten IT-Systemen gegeben, und erklärte, die zeitlich markierten Einträge, auf die Petro verwiesen hatte, beträfen die Übergabe technischer Informationen an Parteiauditoren im Rahmen von Transparenzprüfungen. Internationale Beobachtermissionen, darunter Teams aus den USA und der EU, hatten nach ihren Prüfungen keine Mängel festgestellt, die die Glaubwürdigkeit des Ergebnisses in Frage stellten.

Politische Folgen und Rechtliches

Die Anschuldigungen haben die politische Debatte vor der für den 21. Juni angesetzten Stichwahl zwischen dem Ultrarechten Abelardo de la Espriella und dem Linken Iván Cepeda verschärft. Beobachter warnen, dass wiederholte, nicht durch Beweise gestützte Vorwürfe moderate und unabhängige Wähler entfremden könnten, deren Zustimmung in der Stichwahl ausschlaggebend sein wird. Der Politologe Yann Basset von der Universidad del Rosario sagte, anhaltende Zweifel ohne klar belegte Indizien könnten die Stabilität der Wahlentscheidungen untergraben.

Iván Cepeda, der Kandidat der politischen Richtung von Petro, gab nach Überprüfungen durch sein Team an, bislang keine Belege für Unregelmässigkeiten gefunden zu haben. Parallel laufen juristische Überprüfungen der Entscheidungen des Jurado Nacional de Elecciones, die bereits von Teilen der politischen Rechten in mehreren Ländern unterstützt worden sind.

Damit existieren sowohl formelle Rechtswege als auch politische Appelle nebeneinander, was die Lage angespannt hält.

Die Rolle externer Prüfungen war bislang stabilisierend: US- und EU-Beobachterteams dokumentierten keine Fehler, die das Ergebnis annullieren würden. Die Registraduría betont, dass Transparenzmechanismen wie die Übergabe technischer Informationen an Parteiauditoren genau protokolliert würden. Gleichwohl bleibt die kommunikative Wirkung der Vorwürfe wirkmächtig, weil sie Unsicherheit streuen und mediale Aufmerksamkeit erzeugen.

Für die verbleibende Zeit bis zur Stichwahl ist entscheidend, welche Belege Petro tatsächlich vorlegt und wie die zuständigen Institutionen darauf reagieren. Juristische Eingaben könnten den Zeitplan des Wahlverfahrens belasten, politische Mobilisierung auf beiden Seiten nimmt bereits zu.

In diesem Kontext wird das Vertrauen unentschlossener Wähler zur knappen Ressource, die das Ergebnis am 21. Juni kippen kann.

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Die nächste feste Frist ist die Stichwahl am 21. Juni 2026, bei der Abelardo de la Espriella und Iván Cepeda um die Präsidentschaft konkurrieren werden. Ursprünglich berichtet von swissinfo.ch.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.