Die Schweiz zahlte rund eine Milliarde Franken für den Moderna-Impfstoff. Das Bundesamt für Gesundheit veröffentlichte nach einem Gerichtsentscheid erstmals die ungeschwärzten Verträge mit Moderna und Novavax.
Was in den Verträgen steht
Die Dokumente zeigen, dass der Bund für den mRNA-Impfstoff von Moderna je nach Dosis zwischen 32 und 35 US-Dollar bezahlte. Für Fertigspritzen notiert das Bundesamt für Gesundheit Preise von knapp 40 US-Dollar pro Impfdosis. Für den Impfstoff von Novavax nennt das BAG einen Preis von 22 US-Dollar pro Dosis. Die Zahlen sind Teil der jetzt offenliegenden Verträge, die das BAG nach einem Gerichtsentscheid publiziert hat.
Schon im August 2020 konnte die Schweiz laut den Unterlagen frühzeitig vier Komma fünf Millionen Dosen von Moderna reservieren. Bis zum Ende der Covid-Pandemie belief sich die Gesamtzahl der bestellten mRNA-Impfstoffe auf 31 Millionen Dosen. Die Verträge enthalten neben Preisangaben auch Bestimmungen zu Haftung, Lieferung und Produktionsbedingungen.
Die Veröffentlichung betrifft explizit die Vereinbarungen mit Moderna und Novavax. Verträge mit anderen Herstellern bleiben weiterhin geschwärzt, heisst es in der Mitteilung des BAG. Damit bilden die offenliegenden Dokumente nur einen Teil des Bildes über die Beschaffungsstrategie des Bundes während der Pandemie.
Preisvergleich: Mehr als andere — weniger als die USA
Ein Vergleich mit internationalen Angaben ergibt: Die Schweiz zahlte mehr als viele europäische Staaten für den Moderna-Impfstoff. Die USA lagen deutlich darunter — dort habe Moderna nach verfügbaren Informationen etwa die Hälfte des Preises verlangt, den der Bund bezahlt hat.
Das BAG hat in seinen Vertragsunterlagen Eckzahlen veröffentlicht, die diese Differenzen deutlich machen.
Wirtschaftlich betrachtet bleibt offen, ob der Impfstoffpreis den Nutzen rechtfertigte; Befürworter verweisen auf vermiedene Krankenhausbelastung und Produktionsausfälle. Befürworter sagen: Die Spitäler wären überlastet worden und die Wirtschaft hätte massiv gelitten, wenn die Impfstoffe zu spät geliefert worden wären. In der Darstellung des BAG war diese Abwägung zentral für die Verhandlungsstrategie des Bundes.
Kritiker entgegnen, Moderna habe viel öffentliche Forschungsförderung erhalten und danach Milliarden verdient; sie halten die Herstellungskosten für mRNA-Impfstoffe für relativ niedrig und sehen deshalb überhöhte Verkaufspreise.
BAG: Verhandlungsposition und Haftungsregelungen
Das Bundesamt für Gesundheit begründete zurückhaltende Transparenz in der Pandemie mit dem Ziel, künftige Verhandlungspositionen nicht zu schwächen. Die Veröffentlichung erfolgte erst nach einem Gerichtsurteil. Aus den Verträgen geht hervor, dass der Bund in mehreren Punkten den Herstellern entgegentrat. Dazu zählen Haftungsfragen, bei denen der Staat Risiken übernahm, die Hersteller sonst getragen hätten.
Die Verträge legen jetzt offen, wie Haftungsfragen geregelt wurden. Experten sagen, solche Klauseln bestimmen oft, ob Firmen in Krisen liefern – und beeinflussen damit künftige Beschaffungsstrategien. Regierungsstellen argumentieren, dass in einer ausserordentlichen Lage wie 2020 schnelle Vereinbarungen nötig waren — und dass ohne die Bereitschaft der Hersteller, unter klaren Haftungsbedingungen zu liefern, Lieferzusagen möglicherweise nicht zustande gekommen wären.
In den Unterlagen stehen Details zu Lieferzeiträumen und Reservierungen; die Schweiz sicherte sich früh Dosen, um schnelle Lieferungen zu ermöglichen.
Öffentliche Kritik und die Debatte um Unternehmensgewinne
Die Debatte dreht sich nicht nur um nominale Preise. Sie betrifft die Frage, wer die Lasten und Gewinne trägt, wenn Forschung und Entwicklung mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. In der Darstellung der Kritiker erhielt Moderna nach dem Beginn der Impfkampagne Milliarden an Umsatz. Befürworter der Verträge entgegnen, dass der Marktmechanismus und Renditeerwartungen nötig seien, damit in Zukunft weiter in die Forschung investiert werde.
Wirtschaftsredaktorin Lucia Theiler hat die Verträge analysiert und auf Details hingewiesen, die bislang nicht öffentlich bekannt waren. Ihrer Darstellung nach ist die Entscheidung, höhere Preise in Kauf zu nehmen, als Risikoabschätzung zu lesen: Schnelle Impfraten sollten Gesundheitsschäden und wirtschaftliche Verluste minimieren.
Die politische Folge ist eine Verschiebung der Debatte von reiner Beschaffungspolitik hin zu Fragen der Transparenz, Verteilung von Gewinnen, und zu künftigen Mechanismen, mit denen Staaten Forschung fördern, ohne dass die Öffentlichkeit nachträglich das Nachsehen hat.
Politische und wirtschaftliche Folgen für die Schweiz
Auf nationaler Ebene bedeutet die Veröffentlichung der BAG-Verträge, dass Parlamentarier und Öffentlichkeit nun die konkreten Konditionen prüfen können. Das kann zu politischen Reaktionen führen — etwa zur Forderung nach strengeren Transparenzregeln oder nach veränderten Fördermodellen für Forschung in Notlagen. Solche Diskussionen werden bereits in Politik und Wirtschaft geführt.
Wirtschaftlich offenbart der Fall einen Zielkonflikt: sofortige Krisenreaktion versus langfristige Industriepolitik. Staaten mussten rasch entscheiden, ob sie teurer einkaufen, um Zeit zu gewinnen.
Die Schweiz entschied sich mehrfach für Tempo. Der Preis dafür war hoch — rund eine Milliarde Franken — doch vor dem Hintergrund der möglichen volkswirtschaftlichen Schäden wog diese Ausgabe politisch schwerer als die finanzielle Belastung.
Die jetzt veröffentlichten Haftungsklauseln könnten zudem Einfluss auf künftige Ausschreibungen haben. Wenn Unternehmen bei kommenden Gesundheitskrisen ähnliche Freiräume erwarten, müssten Staaten entweder stärker haften oder alternative Modelle finden, etwa öffentliche Produktionskapazitäten oder verbindlichere staatliche Beteiligungen an Forschungsergebnissen.
Was bleibt offen
Trotz der nun sichtbaren Verträge bleiben Fragen: Die Konditionen mit anderen Herstellern sind noch unvollständig dokumentiert, weil Teile der entsprechenden Verträge weiterhin geschwärzt sind. Ohne diese Vergleichsdaten wird es schwierig, abschliessend zu beurteilen, ob die Schweiz insgesamt günstig oder teuer eingekauft hat.
Zudem führt die Veröffentlichung zu Debatten über Gerechtigkeit und Verteilung: Wer hat profitiert, wer hat bezahlt, und wie lassen sich zukünftige Investitionen in Impfstoffforschung sozialverträglicher gestalten? Die Vertragsdokumente liefern die Basis für solche Diskussionen, geben aber nicht automatisch die Antworten.
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Das BAG veröffentlichte die ungeschwärzten Verträge mit Moderna und Novavax nach einem Gerichtsentscheid; in den Dokumenten sind Preise, Liefermengen und Haftungsregelungen offengelegt.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.