Die Kerosinpreise in Europa sind binnen Wochen von rund 80 auf etwa 180 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Blockaden in der Straße von Hormus durch Aktionen verschiedener Akteure haben Lieferwege beeinträchtigt und Treibstoff knapp gemacht. Airlines reagieren mit Zuschlägen, Flugstreichungen und Kapazitätskürzungen; einige Gesellschaften erheben inzwischen Aufschläge auf Langstrecken. Für Passagiere und Verkehrsnetze bedeutet das höhere Kosten, weniger Plätze und weniger Schnäppchen.
Was passiert
Seit Beginn der militärischen Eskalation rund um Iran sind Rohöl- und Kerosinpreise stark gestiegen. Marina Efthymiou, Professorin für Luftfahrtmanagement an der Dublin City University, verwies auf Zahlen der International Air Transport Association. Die Preise lagen im Februar bei rund 80 US-Dollar pro Barrel. Ende April lagen sie bei etwa 180 US-Dollar pro Barrel.
Die Ursache ist klar. Die Strasse von Hormus ist zeitweise blockiert worden. Sowohl iranische Maßnahmen als auch Operationen der USA haben die Passage beeinträchtigt. Die Wasserstrasse ist für gut ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports wichtig. Unterbrechungen treiben die Preise nach oben.
Europa bezieht einen Teil seines Kerosins über diese Route. Im Schnitt verbraucht Europa täglich rund 1,6 Millionen Barrel Kerosin. Etwa 1,1 Millionen Barrel kommen aus heimischer Produktion. Die restlichen rund 500.000 Barrel wurden bisher unter anderem über die Strasse von Hormus geliefert.
Vorräte und Risiko
Die Internationale Energieagentur hat gewarnt, dass Europas Vorräte nur noch für wenige Wochen reichen. Der IEA-Leiter nannte eine Bestandsdauer von etwa sechs Wochen.
Das zeigt, wie dicht die Versorgungsspanne geworden ist.
Wenn diese Engpässe anhalten, steigt die Wahrscheinlichkeit von Verknappungen. Das treibt Preise zusätzlich und zwingt Raffinerien und Logistikketten, neue Quellen zu suchen oder Transporte über längere Routen zu organisieren.
Wie Airlines reagieren
Airlines geben die höheren Treibstoffkosten teilweise an Kunden weiter. Air France-KLM erhebt laut Unternehmensangaben auf Langstrecken einen Aufschlag von 100 Euro. Andere Gesellschaften prüfen ähnliche Maßnahmen.
Lufthansa hat am 22. April angekündigt, in den kommenden sechs Monaten 20'000 Kurzstreckenflüge zu streichen. Scandinavian Airlines sagte, sie werde rund 1000 Verbindungen aus dem Fahrplan nehmen. Diese Kürzungen sollen Kosten sparen und verfügbare Kapazitäten auf profitablere Verbindungen konzentrieren.
Für Fluggesellschaften ist Kerosin ein zentraler Kostenfaktor. Treibstoff macht je nach Modell und Strecke etwa 25 bis 50 Prozent der Betriebskosten aus, sagte Marina Efthymiou. Wenn Preise hoch bleiben und Versicherungen oder Absicherungsstrategien fehlen, schrumpfen Margen schnell. Sebastien Justum, Senior-Vizepräsident von Air France-KLM, sagte vor dem Europäischen Parlament, die Maßnahmen seien nötig, «weil wir sonst in wenigen Monaten insolvent wären».
Auswirkungen auf Reisende und Preise
Die steigenden Kosten haben direkte Folgen für Passagiere. Ein Bericht der Beratungsfirma Teneo nennt einen Anstieg der Flugpreise um 24 Prozent im Jahresvergleich. Weniger Wachstum im Angebot bedeutet, dass es weniger günstige Tickets gibt.
Andrew Charlton, Geschäftsführer der Beratungsfirma Aviation Advocacy, sagte, die Treibstoffversorgung sei aktuell noch ausreichend, die Unsicherheit jedoch gross. Und diese Unsicherheit treibe die Kosten, weil Airlines zusätzliche Mittel aufbringen müssen, um Reserven aufzufüllen und längere Transportwege zu bezahlen.
Für Reisende heisst das: höhere Ticketpreise, weniger Sitzplätze auf bestimmten Strecken und weniger Spontanangebote. Geschäftsreisende sehen strengere Kapazitäten auf Kurzstrecke. Ferienreisende bezahlen mehr, besonders auf Langstrecken, wenn Airlines direkte Zuschläge erheben.
Die Belastung trifft nicht nur Airlines. Flughäfen, Reiseveranstalter und das Tourismusgewerbe spüren die Effekte. Weniger Flüge bedeuten weniger Passagiere in Terminals, geringere Umsätze bei Bodenservices und weniger Zubringerverkehr.
Für die EU ist die Lage auch politisch brisant. Der Verband Airlines for Europe, dem 16 Fluggesellschaften angehören und der für den Grossteil des europäischen Luftverkehrs steht, hat die Europäische Union zu raschem Handeln aufgefordert. A4E verlangt politische und logistische Maßnahmen, um die Versorgung zu stabilisieren und das Vertrauensniveau in die Lieferketten wiederherzustellen.
Politiker müssen nun abwägen, wie sie sowohl die Energieversorgung sichern als auch wirtschaftliche Folgen abfedern. Massnahmen könnten strategische Kerosinlager, erleichterte staatliche Kredite für Airlines oder koordinierte Marktinterventionen sein. Konkrete Schritte sind bislang nicht einheitlich bekannt.
Für den europäischen Luftraum spielt die Verfügbarkeit von Kerosin eine zentrale Rolle. Engpässe in einer Region können sich schnell über Drehkreuze ausbreiten. Airlines verschieben Flugzeuge und Crews. Das führt zu logistischen Kettenreaktionen mit Verspätungen und Umbuchungen.
Auch Länder ausserhalb der EU, die stark vom europäischen Flugnetz abhängen, werden betroffen. Reisende aus der Schweiz sind Teil dieses Netzes. Wenn Kapazitäten nach Europa verlagert oder reduziert werden, verschlechtern sich Anschlussmöglichkeiten und Preisangebote für grenzüberschreitende Verbindungen.
Die Störung der Strasse von Hormus hat auch eine geopolitische Dimension. Die Wasserstrasse ist eine strategische Route für Energieexporte. Ihre Blockade erhöht den Druck auf Staaten, alternative Handelswege und diplomatische Lösungen zu suchen.
Ein dauerhaftes Risiko für den Schiffsverkehr würde die Kosten für Transporte insgesamt heben. Diese Kosten fliessen in Energiepreise, Transportpreise für Güter und schliesslich in Verbraucherpreise ein. Die Luftfahrt ist früh betroffen, weil sie unmittelbar auf Kerosinpreise reagiert.
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Die Branchenvertretung Airlines for Europe hat die EU zu raschem Handeln aufgefordert. Reisende in der Schweiz müssen mit weniger Anschlussmöglichkeiten und höheren Preisen rechnen.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.