Neuer Regenwald kann viel schneller entstehen als gedacht. Nach drei Jahrzehnten gleichen sich Artenlisten deutlich an.

Erstaunliche Geschwindigkeit der Regeneration

Schau, Forscherinnen und Forscher, die Flächen im Nordwesten Ecuadors untersuchten, berichten, dass auf früheren Weiden und Plantagen innerhalb von rund 30 Jahren wieder ein Wald entsteht, dessen Artenzusammensetzung großen Ähnlichkeiten mit dem benachbarten, alten Regenwald zeigt. Das internationale Team fand, dass die Zusammensetzung der Arten nach drei Jahrzehnten zu etwa 75 Prozent jener der intakten Wälder entspricht.

Die Studienregion liegt im Chocó, einem feuchten Küstengebiet mit noch vorhandenen Altbeständen an den Berghängen und einer Mosaikstruktur aus Weiden, Kakaoplantagen und jungen Aufforstungen im Tal. Dort hat die Naturschutzorganisation Jocotoco grössere Agrarflächen gekauft und die Entwicklung unbewirtschafteter Parzellen dokumentiert. Sebastián Escobar, Tropenbiologe an der Universidad de las Américas in Quito, sagt, dass das Tempo der Wiederbewaldung überraschend schnell sei und Projekte so eine realistische Zeitplanung erhalten: "Zu wissen, dass 30 Jahre ausreichen, ermöglicht anderen Projekten einen Zeitplan", sagte Escobar.

Wie der neue Wald entsteht

Die Rückkehr der Bäume verläuft über mehrere Wege. Mancherorts keimen Samen, die jahrelang im Boden überdauert haben. Andere Arten bringen leichte Samen, die mit dem Wind weggedrückt werden — Kapok ist ein Beispiel. Viele Tropenbäume produzieren grosse, saftige Früchte; Vögel und Fledermäuse fressen diese und verteilen die unverdaulichen Kerne über weite Strecken.

Die Tierwelt spielt also eine Schlüsselrolle. Fledermäuse legen besonders grosse Distanzen zurück, und Vögel wie Papageien, Schirmvögel und Tukane tragen Samen zwischen verbliebenen Waldinseln und offenen Flächen. "Es ist eine Win-win-Situation: Die Tiere haben nahrhaftes Futter, die Bäume können sich ausbreiten", sagte Sebastián Escobar. So entsteht sukzessive mehr Schattendach, es bilden sich Sämlingsgruppen, und die Kronen schliessen sich.

Die vorhandenen, einzeln stehenden Altbäume auf Weiden helfen dabei: Sie dienen als Sitzplätze und Ruheinseln für Vögel und als Schattenspender, wodurch Keimlinge besser gedeihen. Auch ehemalige Kakaoplantagen mit ihrem schattenspendenden Unterbau fördern die Etablierung von Baumarten, weil viele Regenwaldsämlinge Schatten benötigen, um die kritische Anfangsphase zu überstehen.

Was noch fehlt

Die Forscher betonen zugleich Einschränkungen: Zwar gleichen sich viele Artenlisten an, seltene oder stark spezialisierte Arten fehlen jedoch in den jungwachsenden Flächen. Das Team beobachtete, dass solche Arten erst später oder gar nicht zurückkehren, solange bestimmte ökologischen Strukturen fehlen — Beispiele sind spezialisierte Epiphyten, grosse Bodentiere oder Strukturen, die nur in sehr alten Beständen vorkommen.

Heike Feldhaar, Professorin für Tierökologie an der Universität Bayreuth, erklärte, dass der entscheidende Schritt die Schliessung des Kronendachs sei. "Auf offenen Flächen haben wir viel grössere Temperaturschwankungen und deutlich höhere Maximaltemperaturen. Das halten viele Pflanzen und Tiere nicht durch", sagte Feldhaar. Erst wenn das Mikroklima dem alten Wald ähnelt, können wärmeliebende oder feuchteabhängige Arten zurückkehren.

Konsequenzen für Naturschutz und Klimapolitik

Die Studie liefert konkrete Hinweise für Aufforstungs- und Renaturierungsprogramme. Die Aussicht, innerhalb von drei Jahrzehnten eine grosse Ähnlichkeit zur ursprünglichen Artenzusammensetzung zu erreichen, verändert die Erwartungshaltung gegenüber Wiederherstellungsprojekten: "Die Sache ist, dass Dauer und Investitionshorizont planbar werden", so Escobar. Projekte können demnach mit realistischen Zeitfenstern und Etappenzielen arbeiten.

Ein praktischer Effekt: Wer Land kauft, um es aus der Produktion zu nehmen und natürliche Sukzession zuzulassen, kann mittelfristig eine hohe Biodiversität erwarten. Das heisst aber nicht, dass alle Arten automatisch zurückkehren — für besonders seltene Arten könnten gezielte Wiederansiedlungsmaßnahmen nötig sein.

Auch für das Klima sind solche Ergebnisse relevant. Wälder binden Kohlenstoff; je schneller sich Biomasse und Struktur wieder aufbauen, desto rascher wächst auch die Kohlenstoffspeicherung. Bottom line: naturnahe Wiederbewaldung kann sowohl Biodiversität als auch Klimaziele unterstützen. Genauere Zahlen zur C‑Speicherung nennt die Studie nicht in dem veröffentlichten Auszug, doch der Prozess der Sukzession ist ein klarer Beitrag zur Kohlenstoffbindung.

Ökonomische und politische Implikationen — was das für die Schweiz bedeuten kann

Kurz gesagt: Die Forschungsergebnisse sind für internationale Akteure von Interesse — von NGOs bis zu politischen Entscheidungsträgern. Für die Schweiz könnten solche Erkenntnisse mehrere Relevanzen haben. Schweizer Entwicklungsprojekte, bilaterale Naturschutzförderung oder private Umweltfonds, die in Aufforstung investieren, bekommen eine klarere Zeitschiene für Wirkungen.

Auf wirtschaftlicher Ebene heisst das: Investitionen in Landkauf und langfristige Renaturierung lassen sich mit konkreteren Erwartungen verbinden. Für Unternehmen in globalen Lieferketten, die auf nachhaltige Rohstoffe setzen, bietet das Resultat Hinweise, welche Landnutzungsänderungen Biodiversität fördern können, ohne Jahrzehnte auf sichtbare Erfolge warten zu müssen.

Politisch kann die Studie den Druck auf Förderprogramme erhöhen, längerfristige Finanzierung bereitzustellen statt kurzfristiger Kompensationsmechanismen. Zugleich macht sie deutlich, dass reine Sukzession allein nicht alle Arten zurückbringt — für Arten mit engen Habitatansprüchen braucht es zusätzliche Schutz- oder Wiederansiedlungsstrategien.

Was Projektplaner jetzt beachten sollten

Projektleiterinnen und -leiter sollten örtliche Bedingungen prüfen: Gibt es nahe Altbestände, die als Samenquelle dienen? Stehen grosse Altbäume als Perch- oder Ausgangspunkte? Wie wirken sich frühere Landnutzungen auf Bodeneigenschaften aus? Feldhaar betont, dass ohne Schattendach viele junge Wälder starkem Stress ausgesetzt sind — ein Faktor, den Projekte bei Pflanz- und Sukzessionsstrategien berücksichtigen müssen.

Zudem rückt die Rolle von Tieren in den Fokus. Schutz und Förderung von Samenverteilerarten — insbesondere Fledermäuse und fruchfressende Vögel — sind Teil eines integrierten Ansatzes, um die natürliche Wiederbewaldung zu beschleunigen. Maßnahmen, die Tiere unterstützen, stärken somit indirekt auch die Pflanzenvielfalt.

Für Regionen mit ähnlichen ökologischen Bedingungen wie der Chocó bieten die Ergebnisse einen konkreten Anlass, auf natürliche Regeneration zu setzen, wo sie möglich ist, und ergänzende Massnahmen dort vorzusehen, wo seltene Arten fehlen.

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Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.