«Wir haben noch nie ein Objekt wie 3I/ATLAS gesehen», sagt Martin Cordiner, Astrochemiker am Goddard Space Flight Center der NASA. Neue Analysen von James-Webb-Daten aus Dezember 2025, ergänzt durch Radiodaten von ALMA, legen nahe, dass der interstellare Komet zwischen 10 und 12 Milliarden Jahre alt sein könnte. Messungen zeigen, dass das im Kometenwasser gebundene Deuterium rund 30-mal häufiger ist als bei Kometen aus dem Sonnensystem, und dass das 12C/13C-Isotopenverhältnis mit Werten von 129 bis 191 deutlich über den heimischen Werten von etwa 89 bis 98 liegt. Die Autoren der in Nature erschienenen Studie betonen zugleich Unsicherheiten wegen des kurzen Vorbeiflugs und der geringen Vergleichsbasis.
«Die Isotopenverhältnisse liefern unschätzbar wertvolle Einblicke in die physikalischen und chemischen Bedingungen, unter denen sich 3I/ATLAS bildete», sagt Martin Cordiner, Astrochemiker am Goddard Space Flight Center der NASA.
Isotopen als Zeitkapsel
Die Untersuchung stützt sich auf Spektren, die das James-Webb-Weltraumteleskop im Dezember 2025 aufzeichnete, sowie auf ergänzende Radiodaten des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array ALMA. In der veröffentlichten Studie im Fachjournal Nature kombinieren die Teams diese Beobachtungsdaten mit Rechnungen zur Metallizität und mit astrophysikalischen Modellen. Das Ergebnis ist kein einzelner Befund, sondern ein Muster: ein extrem hoher Deuteriumanteil im Wasser des Kometen und ein ungewöhnlich geringer Anteil des Kohlenstoff-Isotops 13C.
Konkret berichten die Forscher von einem Deuteriumgehalt im Kometenwasser, der ungefähr 30-mal höher liegt als bei Kometen unseres Sonnensystems. Parallel dazu liegt das 12C/13C-Isotopenverhältnis deutlich über den heimischen Werten. Diese Kombination ist insofern bemerkenswert, als sie zwei unabhängige Hinweise liefert: der hohe Deuteriumanteil spricht für Bildung bei sehr niedrigen Temperaturen, die Forscher sprechen von stark kalten Entstehungsbedingungen, der geringe 13C-Anteil für einen Entstehungszeitraum vor einer deutlich stärkeren Anreicherung dieses Isotops durch mehrere Sternengenerationen.
Aus der Kopplung von Messdaten und Modellen leiten die Autoren eine Lesart ab: Das Material, aus dem 3I/ATLAS entstand, formte sich in einer metallarmen, sehr kalten Umgebung der Milchstraße und blieb dort offenbar über 10 bis 12 Milliarden Jahre, bevor es aus seinem Heimatsystem herausgeschleudert wurde. Ein solcher Ursprung würde den Kometen zu einem der ältesten bislang direkt untersuchten Stücke kosmischer Materie machen.
Die Studie diskutiert mögliche Mechanismen, wie ein Komet sein Ursprungsumfeld verlassen kann. Denkbar sind gravitative Wechselwirkungen mit Planeten oder Kollisionen im jungen System, die ausreichend Energie liefern, um einen Körper auf interstellare Bahn zu bringen. Obgleich die Autoren eine Herkunft innerhalb der Milchstraße als wahrscheinlich einstufen, schliessen sie eine Herkunft aus einer Nachbargalaxie nicht vollständig aus.
Die Evidenz spreche jedoch überwiegend für einen innergalaktischen Ursprung.
Wichtig ist die methodische Einschränkung: Messungen konnten nur während des kurzen Vorbeiflugs erfolgen. Die Autoren weisen deshalb auf Unsicherheiten hin und auf die begrenzte Vergleichsbasis, denn bislang sind erst zwei andere interstellare Objekte beobachtet worden, 1I/ʻOumuamua aus 2017 und 2I/Borisov aus 2019. Frühere Altersabschätzungen kurz nach der Entdeckung hatten bereits ein Mindestalter in Milliarden Jahren vorgeschlagen; die jetzt vorgelegten Isotopendaten verschieben diese Zahl deutlich nach hinten und machen ein Alter von bis zu rund 12 Milliarden Jahren plausibel.
Zum Kontext: 3I/ATLAS wurde am 1. Juli 2025 entdeckt, registriert vom Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System ATLAS in Chile. Der Körper hat nach gegenwärtigen Angaben einen Durchmesser von einigen Kilometern und war damit nur der dritte interstellare Besucher, der im Durchflug beobachtet werden konnte. Der Komet passierte den sonnennächsten Punkt seiner Bahn am 29. Oktober 2025 und bewegt sich seitdem wieder aus dem Sonnensystem heraus.
Die Forscher holen weit aus, wenn sie die ungewöhnlichen Isotopenverhältnisse als Fenster in die frühe Galaxiengeschichte lesen. Die Kombination aus extrem hoher Deuteriumkonzentration, dem ungewöhnlichen Kohlenstoff-Isotopenverhältnis und den modellierten Strahlungsbedingungen legt nahe, dass 3I/ATLAS in den äusseren Bereichen der Milchstraße oder in einer vergleichbar metallarmen Region entstand. Diese Regionen blieben demnach lange kalt und weitgehend unbeeinflusst von der stellaren Nukleosynthese, die schwerere Isotope anreichert.
Trotz der Fragestellungen bleibt die Messung selbst ein technisches und wissenschaftliches Resultat: sie zeigt, wie leistungsfähig die Kombination aus Weltraumteleskop-Spektroskopie und bodengebundenen Radiobeobachtungen ist, um selbst bei kurzen Beobachtungsfenstern Aussagen über chemische Fingerabdrücke und damit über Ursprünge zu treffen. Die Autoren appellieren allerdings an Zurückhaltung, weil die Stichprobe interstellarer Besucher noch extrem klein ist.
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Der Körper passierte den sonnennächsten Punkt am 29. Oktober 2025 und bewegt sich seither wieder aus dem Sonnensystem heraus. Die Autorinnen und Autoren mahnen Vorsicht an; die Befunde gelten als vorläufig wegen des kurzen Beobachtungsfensters und der kleinen Stichprobe interstellarer Objekte.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.