Die SNB verankerte zu Jahresbeginn ein neues Inflationsziel, und die praktische Umsetzung dieses Konzepts gerät unter Druck. Der Branchenverband Vorort fordert mehr Transparenz, weil Haushalte, Unternehmen und Finanzmarktteilnehmer unmittelbar von der Umstellung auf eine inflationszielorientierte Steuerung des Geldmarktsatzes betroffen sind. Vorort begrüßte zwar die Straffung der Geldpolitik und den Wechsel zur inflationszielorientierten Strategie, kritisierte aber, dass die SNB weder ihr Prognosemodell noch die verwendeten Einzelindikatoren publiziert habe. In den kommenden Wochen werden die Lohndaten für das erste Quartal veröffentlicht; diese Zahlen gelten als Schlüssel zur Beurteilung der weiteren Zinsentwicklung.
Die Lesart ist klar: Die SNB hat das Ziel auf unter 2 Prozent gesetzt, doch wie sie dieses Ziel operationalisiert, bleibt unklar. Der Branchenverband Vorort hat in seinem Konjunkturbericht ausdrücklich gemacht, dass er die Richtung unterstützt. "Vorort begrüßte zwar die von der SNB vorgenommene Straffung der Geldpolitik zur Wahrung der Preisstabilität und den Wechsel zu einer inflationszielorientierten Strategie gegenüber einer Wechselkursorientierung", heisst es im Bericht. Zugleich kritisiert der Verband, dass die Nationalbank bislang nicht offenlege, wie genau sie ihre Inflationsprognosen erstellt.
Vorort verlangt Offenlegung der Prognosebasis
Der Punkt, den Vorort hervorhebt, ist konkret. "Die SNB habe weder ihr Prognosemodell noch die verwendeten Einzelindikatoren publiziert", schrieb der Vorort. Damit meint der Verband nicht nur ein fehlendes Methodendokument. Er warnt, dass ein breiterer Ermessensspielraum der SNB bei der Heranziehung von Indikatoren wie Wechselkursen, Importpreisen oder Lohnstückkosten die Interpretation des geldpolitischen Kurses erschwere und Märkte zu einseitigen Erwartungen verleiten könne.
Die Forderung nach mehr Transparenz folgt einer einfachen Logik. Haushalte und Unternehmen planen Investitionen und Lohnverhandlungen mit Blick auf die Zins- und Inflationsentwicklung. Finanzmarktteilnehmer schichten Portfolios auf Basis der erwarteten Geldmarktsteuerung. Wenn die SNB nicht klar benennt, welche Indikatoren Gewicht haben und in welcher Form Projektionen entstehen, steigt das Risiko von Missverständnissen und volatilen Reaktionen auf einzelne Datenpunkte.
Extern unterstützt wird diese skeptische Sicht auf die Grenzen aktiver Zinspolitik durch die Analyse des US-Ökonomen Benjamin Friedman von der Harvard-Universität. Friedman war diese Woche als Ehrengast bei einer Veranstaltung der SNB in Zürich und machte die Reichweite geldpolitischer Instrumente zum Thema. Er erklärte: "Die Geldpolitik in der Wirtschaft beeinflusst die Nachfrageseite, nicht die Angebotsseite".
Damit machte er deutlich, dass moderne, breite Lieferketten- und Angebotsengpässe die Wirkung von Zinserhöhungen begrenzen können.
Friedmans Argument verschiebt die Debatte. Wenn Geldpolitik primär über die Nachfrage wirkt, dann sind Preisstörungen, die aus Angebotsschocks stammen, nur begrenzt durch höhere Zinsen zu bekämpfen. Das erhöht die Bedeutung korrekter Diagnosen und transparenter Prognoseprozesse. Es ist die zentrale Belastung für eine Notenbank, die jetzt ein explizites Inflationsziel verfolgt.
Internationale Signale und der Blick auf Löhne
Die SNB handelt nicht in einem Vakuum. Andere Zentralbanken setzen zum Teil komplementäre Prioritäten, teils ganz andere. Die Europäische Zentralbank hat angekündigt, bei Firmenanleihen und den Regeln für als Sicherheiten akzeptierte Schuldentitel Klimaaspekte stärker zu berücksichtigen. Für die Reinvestitionen aus jährlich im Schnitt rund 30 Mrd. Euro fällender Firmenanleihen will die EZB künftig stärker auf Emittenten mit geringeren Treibhausgas-Emissionen und besseren klimaorientierten Offenlegungen setzen.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde fasste die Entscheidung so zusammen: "Mit diesen Entscheidungen setzen wir unsere Zusage zur Bekämpfung des Klimawandels in die Tat um." EZB-Direktorin Isabel Schnabel ergänzte: "Deshalb haben wir gesagt, dass es nicht der richtige Ansatz ist, sie insgesamt auszuschliessen." Die EZB verbindet damit geldpolitische Operationen mit Klima- und Marktrisiken. Für Währungspolitik in Europa ist das ein sichtbares Zusatzkriterium, das auch Valutamärkte und Kapitalflüsse beeinflussen kann.
Parallel dazu hat die Federal Reserve in den vergangenen Monaten mehrere Zinserhöhungen vorgenommen. Beobachter erwarteten, dass die Fed den Leitzins zunächst auf einem Niveau von 5,0 bis 5,25 Prozent belassen würde; diese Spanne wurde im Bericht als die höchste seit 2007 bezeichnet. Zugleich deuteten jüngere Inflationsdaten in den USA auf eine Abschwächung der Teuerung hin, was den Spielraum der Notenbank für eine kurzfristige Zinspause vergrösst. Für die SNB sind solche internationalen Rahmenbedingungen relevant, weil Wechselkursbewegungen und Kapitalströme die inländische Preisentwicklung beeinflussen.
In Europa und der Schweiz bleibt die Lohnentwicklung ein zentraler Indikator. Ein Kommentar in der Börsen-Zeitung betont, dass die Projektionen der EZB vorsichtig zu verwenden seien und insbesondere die anstehenden Lohndaten für das erste Quartal entscheidend seien, weil sie anzeigen, wie stark die Binnennachfrage den Inflationsdruck stützt. Diese Lohndaten werden daher als eines der wichtigsten kurzfristigen Entscheidungskriterien für die weitere Zinsentwicklung gehandelt.
Ich würde sagen, die Debatte verschiebt sich vom Grundsatz "Zins gegen Preis" hin zu einer Methode: Wie macht die SNB ihre Prognosen transparent, damit Marktteilnehmer richtige Signale lesen? Wer diese Frage verneint, riskiert, dass einfache Indikatorsprünge, beispielsweise kurzfristig starke Lohnzahlen oder ein unerwarteter Wechselkursrutsch, zu übertriebenen Markterwartungen führen.
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Die Lohndaten des ersten Quartals, die in den kommenden Wochen publiziert werden, gelten als das wichtigste kurzfristige Entscheidungskriterium für die weitere Zinsentwicklung.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.