Ein Bus ohne feste Route fährt zweimal täglich durch Baden. Die «Linie Null» verkehrt bis Mitte Mai im Auftrag der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen. Hinter dem Projekt stehen die Aktionskünstler Frank und Patrik Riklin; sie wollen mit der Fahrt gegen Optimierungszwang und Vereinsamung antreten. Das Projekt reiht sich in eine Folge provokativer Aktionen des Duos und dürfte Diskussionen über öffentlichen Raum und Ausgaben auslösen.

Premiere und Konzept

Am Donnerstagmittag stoppte ein Bus mit der Aufschrift «Linie Null» erstmals am Bahnhof Baden. An Bord waren rund fünfzehn Fahrgäste. Unter den Anwesenden waren Mitarbeitende der RVBW, Pensionierte, ein Teenager sowie die Riklin-Brüder selbst.

Die Riklins haben die Fahrt als Kunstaktion konzipiert. Der Bus fährt zweimal täglich ohne festgelegte Route und ohne Fahrplan. Er soll, so das Duo, ein Zeichen für eine «stabile, solidarische und offene Gesellschaft» setzen. Bei der Premiere rief Frank Riklin, 52 Jahre alt, die Anwesenden zur Gelassenheit auf und sagte: «Das ist ein schöner Moment. Wir müssen das geniessen.»

Wer steht dahinter

Die Fahrten erfolgen in Zusammenarbeit mit den Regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen, kurz RVBW. Die RVBW stellen das Fahrzeug und betreuen den Betrieb der Linie. Die Aktion läuft befristet. Sie ist bis Mitte Mai angesetzt. Detaillierte Angaben zu Kosten oder Fahrplänen veröffentlichte die RVBW bislang nicht.

Die Riklin-Brüder sind in der Schweiz seit Jahren als Aktionskünstler bekannt. 2009 errichteten sie in Teufen ein Null-Stern-Hotel, das national Beachtung fand. Später verhüllten sie Innenstadtflächen mit grossen Stoffbahnen und organisierten übergrosse Picknicks. Vor einigen Jahren sorgten sie erneut für Schlagzeilen, als sie in Schaffhausen Sitzbänke mit einer Kettensäge halbierten.

Reaktionen auf frühere Aktionen

Die Schaffhauser Aktion lieferte konkrete Zahlen, die in der öffentlichen Bewertung eine Rolle spielen. Die Stadt zählte ungewöhnliche Begegnungen und registrierte, dass einzelne der halbierten Sitzbankhälften später private Verwendung fanden. Gleichzeitig kritisierten einige politische Akteure die Ausgaben.

In einem Communiqué beklagte sich die Linke über die Projektkosten.

Diese Hintergründe prägen die Wahrnehmung der aktuellen Aktion in Baden. Öffentliche Kunstprojekte sind hier nicht nur kulturelle Statements. Sie berühren Entscheidungen über städtische Mittel und Nutzung des öffentlichen Raums. Die Riklins haben mit ihren Aktionen bewusst Provokation und Beteiligung verbunden. Die Bilanz dieser Versuche ist gemischt. Sie zeigen Kontakte und Konflikte zugleich.

Wie die Fahrt abläuft

Bei der Premierenfahrt stieg ein Handwerker am Haltepunkt Kante N aus Versehen ein. Er erwartete eine reguläre Linie Richtung Würenlos via Wettingen oder Rüthihof. Der Fahrer des «Null»-Busses klärte ihn auf. Der Handwerker stieg wieder aus.

Die verbleibenden Passagiere liessen sich auf die Fahrt ein. Noch der Busfahrer begrüsste sie zur «Premierenfahrt», und die Gruppe begann sich zu unterhalten. Die Riklins hoffen, dass die Begegnungen spontan und ungeplant entstehen. Sie sehen das als Gegensatz zu einer stark optimierten, zweckgerichteten Mobilität.

Kulturelle Aktionen wie die «Linie Null» berühren lokale Politik. Die Schaffhauser Erfahrung zeigt, dass sich politische Akteure kritisch äussern können, wenn öffentliche Gelder im Raum stehen. Projekte, die sichtbare Kosten nach sich ziehen, werden parteipolitisch diskutiert. Sie lösen Fragen zur Priorisierung städtischer Ausgaben aus.

Ökonomisch betrachtet geht es nicht nur um direkte Projektkosten. Es geht auch um die Frage, wie öffentlicher Raum genutzt und finanziert wird. Kunstaktionen, die Verkehrsträger involvieren, brauchen Betriebspartner. Die RVBW stellt ein Fahrzeug und Personal. Das schafft betriebliche Aufwände, die quantifiziert werden könnten. Solche Zahlen liegen für die «Linie Null» nicht vor.

Hinzu kommt ein weniger greifbarer Effekt. Sichtbare Kunstaktionen verändern Wahrnehmungen von Alltag und Begegnung. Das kann indirekt wirtschaftliche Folgen haben, etwa für lokale Gastronomie, für Frequenzen in Quartieren und für die kommunale Kulturförderung. Solche Effekte sind schwer zu messen, aber sie gehören zu den Gründen, weshalb Behörden bei der Entscheidung über Unterstützung genau abwägen.

Die Riklins setzen sich gegen Vereinsamung ein. Sie sehen ziellose Begegnungen als Mittel, soziale Verknüpfungen zu fördern. Die Idee richtet sich gegen einen gesellschaftlichen Fokus auf Effizienz. In ihren Aktionen suchen sie Räume für Unvorhergesehenes.

Das Konzept trifft auf unterschiedliche Erwartungen. Einige Passanten könnten die Aktion als Störung wahrnehmen.

Andere sehen darin eine Gelegenheit für neue Kontakte. Die Schaffhauser Bilanz war hier zwiespältig. Es entstanden Begegnungen, aber die Zahl der dauerhaft wirkenden Veränderungen war begrenzt.

Die Riklins erzeugen absichtlich mediale Aufmerksamkeit. Ihre Aktionen sind provokant und leicht zu erzählen. Das verstärkt die Debatte um öffentliche Mittel und den Sinn künstlerischer Interventionen im Alltag. Gleichzeitig zeigen die konkreten Zahlen aus Schaffhausen, dass Aufmerksamkeit nicht automatisch in dauerhafte gesellschaftliche Veränderung mündet.

In Baden dürfte die Diskussion ähnlich verlaufen. Befürworter werden die Aktion als Beitrag zur Stadtkultur verteidigen.

Kritiker werden die Kosten, den praktischen Nutzen und die Rolle der RVBW hinterfragen. Die Entscheidungsträger in den Gemeinden werden darauf reagieren müssen.

Während der Premiere reagierten Passagiere positiv. Es gab Gelächter und Gespräche. Solche spontanen Reaktionen bilden einen Teil des künstlerischen Ziels. Andererseits zeigte das Beispiel des Handwerkers, dass das Angebot nicht für alle nahtlos funktioniert. Missverständnisse über Verkehrsdienstleistungen sind möglich.

Genau solche Grenzfälle sind Teil der Aussage. Die Riklins wollen Alltagsroutinen stören, um neue Formen der Begegnung zu erlauben. Ob das Ziel erreicht wird, zeigt sich erst nach einer längeren Beobachtungszeit und nach Auswertung von Teilnehmerzahlen und Rückmeldungen.

Die bisherigen Aktionen der Brüder lieferten Zahlen und Kontroversen.

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Die Aktion läuft bis Mitte Mai.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.