Ein Drittel der Europäer hat inzwischen eine Allergie.
Mehr Fälle, höhere Kosten
Allergien sind keine Randerscheinung mehr. Nach aktuellen Einschätzungen leiden rund ein Drittel der Menschen in Europa an Allergien. Forschende warnen, dass die Zahl weiter steigt: Für Deutschland gibt es die Prognose, dass bis 2050 jede zweite Person betroffen sein könnte. Die wirtschaftlichen Folgen sind beträchtlich. Eine Studie der Berliner Charité aus dem Jahr 2014 schätzte die jährlichen Kosten für die EU auf bis zu 150 Milliarden Euro.
Für Politiker und Verwaltungen heißt das: Gesundheitsschutz ist auch eine Frage der Wirtschaftspolitik. Wenn immer mehr Menschen Medikamente brauchen, Arbeitsausfälle zunehmen und medizinische Leistungen gefragt sind, belastet das öffentliche Budget. Die Frage, wie sich diese Entwicklung bremsen lässt, rückt deshalb auf die Agenda.
Neue Daten, neue Methoden
Forschungsprojekte versuchen, die Ursachen genauer zu fassen. Ein Verbund mit der Technischen Universität Ilmenau, dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, dem Helmholtz-Zentrum bzw. Umweltforschungszentrum Leipzig und dem Universitätsklinikum Leipzig verknüpft Pollenmessungen, Wetterdaten und Angaben zu Symptomen sowie Medikamenteneinnahme. Ziel ist es, besser vorherzusagen, wann Beschwerden auftreten und welche Pollen besonders problematisch sind.
In Städten wurden rund 40 Pollenfallen in Jena, Ilmenau und Leipzig aufgestellt. Proben mit Blütenstaub werden gesammelt und digital ausgewertet.
Künstliche Intelligenz soll helfen, nicht nur die Menge, sondern auch Größenunterschiede der Pollen zu erkennen und deren Allergenität einzuschätzen.
Susanne Dunker, Forscherin am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig, sagt, die ersten Daten hätten bereits überrascht: Die Größe der Pollen variiere stark von Jahr zu Jahr. "Am überraschendsten für mich war, dass wir doch von Jahr zu Jahr so starke Unterschiede in den Pollen sehen. Größenunterschiede sind extrem wichtig für die Vorhersagen", erklärt Dunker in der Dokumentation "Welche Allergie hast Du? Warum immer mehr Menschen allergisch reagieren".
Klimawandel verlängert Pollen-Saison
Ein wesentlicher Treiber ist das Klima. Wärmere Temperaturen führen zu längeren Vegetationsperioden. Pflanzen blühen früher und teils länger. Das bedeutet: Betroffene sind länger Pollen ausgesetzt, und die Pollensaisons verschieben sich.
Längere Blühphasen können Allergien verschlimmern. Wer bisher nur in bestimmten Monaten Symptome hatte, spürt sie jetzt öfter. Das erhöht die medizinische Belastung und steigert den Verbrauch von Medikamenten. Für die öffentliche Hand heißt das: steigende Ausgaben für Gesundheitsdienste und mehr Arbeitsausfalltage.
Stadtbegrünung ist ein Dilemma
Städte reagieren oft mit mehr Begrünung. Bäume, Parks und Dachbegrünungen senken Hitzeinseln, verbessern das Stadtklima und sind beliebte Maßnahmen gegen den Klimawandel. Doch nicht jede Pflanze ist gleich gut für Allergikerinnen und Allergiker. Viele Pflanzen produzieren Pollen, die Allergien auslösen oder verschlimmern.
"Es wäre ein großes Ziel, dass wir gemeinsam durch die Expertise von Medizinern, Informatikern und Biologen, zusammen mit der Stadt Lösungen finden, wie wir die Stadt grüner machen können, aber gleichzeitig Aspekte mit bedenken, die für Allergenität wichtig sind", sagt Susanne Dunker. Die Debatte dreht sich darum, welche Arten gepflanzt werden sollten: weibliche statt männliche Bäume, weniger stark allergene Arten, und ein bewusster Umgang mit invasiven Pflanzen.
Ein Beispiel für ein Problem ist Ambrosia, das beifußblättrige Traubenkraut. Die Pflanze gilt als stark allergen und breitet sich zunehmend aus. Sie blüht sogar im Herbst und verlängert damit die Phase mit erhöhtem Pollenaufkommen.
Bürgerwissenschaft und KI als Hilfsmittel
Die Forschenden setzen auf zwei Hebel: hochwertige Messdaten und die Beteiligung von Bürgern. PollenNet, das genannte Projekt, verknüpft lokale Meldungen von Betroffenen mit physikalischen Messungen. Bürgerinnen und Bürger dokumentieren Symptome und den Einsatz von Medikamenten. Diese Daten fließen in Modelle, die auch Wetterdaten und Pollenanalysen berücksichtigen.
Die Kombination aus Bürgerdaten und künstlicher Intelligenz hilft dabei, lokale Muster zu erkennen. So lässt sich herausfinden, ob bestimmte Kaskaden aus Wetterlagen, Pflanzenbestand und Pollengrößen häufiger zu schweren Symptomen führen. Die Erkenntnisse können dann städtische Pflanzpläne, Gesundheitswarnungen und medizinische Empfehlungen beeinflussen.
Was das für die Politik bedeutet
Die Forschung liefert Handlungsoptionen. Städte können bei Neupflanzungen Arten wählen, die weniger Allergene produzieren. Sie können invasive Arten gezielt bekämpfen. Und sie können mobile Warnsysteme einrichten, die Betroffenen anzeigen, wann die Belastung besonders hoch ist.
Auf nationaler Ebene könnten Gesundheitsstrategien angepasst werden. Das reicht von verbesserten Meldewegen für Allergien bis zu Aufklärungskampagnen. Die ökonomische Dimension macht Druck: Wenn Allergien Arbeitseinschränkungen und Gesundheitskosten erhöhen, geraten Haushaltsbudgets und Sozialversicherungen unter Druck.
Was noch fehlt
Trotz neuer Technologien bleiben Fragen offen. Die Zusammensetzung der Pollen, ihre Allergenität und die Reaktion verschiedener Bevölkerungsgruppen sind komplex. Daten aus vielen Regionen sind nötig, um robuste Vorhersagen zu bauen. Auch müssen politische Entscheiderinnen und Entscheider den Zielkonflikt zwischen Klimaanpassung und Allergenschutz anerkennen und abwägen.
Forschungsteams betonen, dass interdisziplinäre Arbeit nötig ist: Biologen, Medizinerinnen, Informatiker und Stadtplaner müssen zusammenarbeiten. Nur so lassen sich praktikable Empfehlungen entwickeln, die sowohl Klimaeffekte adressieren als auch die Gesundheitsbelastung senken.
Für Schweizer Städte gilt grundsätzlich das Gleiche wie für deutsche oder andere europäische Kommunen: Die Auswahl von Pflanzen, der Umgang mit invasiven Arten und die Planung grüner Räume müssen allergologische Folgen mitdenken. Viele Maßnahmen lassen sich lokal testen und dann skaliert anwenden.
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"Es wäre ein großes Ziel, dass wir gemeinsam ... Lösungen finden, wie wir die Stadt grüner machen können, aber gleichzeitig Aspekte mit bedenken, die für Allergenität wichtig sind", sagte Susanne Dunker, Forscherin am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.