Drohnenangriffe verändern den Alltag in den Nuba‑Bergen. Hunderttausende suchen dort Schutz — doch Sicherheit bleibt brüchig.
Schutzraum unter Druck
Die Hügel von Süd‑Kordofan wirken auf den ersten Blick ruhig. In Wirklichkeit sind sie seit Jahren ein Sammelbecken für Vertriebene und ein Schauplatz wiederkehrender Gewalt. Hassan Koko, 50 Jahre alt und als medizinischer Helfer tätig, schildert, wie nahe die Gefahr liegt: Am 29. November sei beim Trinken von Tee eine Drohne erschienen, die bei ihrem Angriff mehrere seiner Kollegen getroffen habe. "Die Drohne schlug einmal zu und kam dann zurück - und traf die, die schon verletzt waren", sagt Koko.
Koko überlebte, trägt aber noch die Folgen des Angriffs: Ein Metallsplitter steckt in seinem linken Knie, er geht nur selten auf den Markt und verbringt die meiste Zeit zuhause. Sein Alltag zeigt, wie fragil ein Gebiet ist, das für Hunderttausende längst zum letzten Rückzugsort geworden ist.
Die humanitäre Lage ist schon lange angespannt, aber der anhaltende Krieg hat die Ressourcen vor Ort stark eingeschränkt. Nach Angaben aus der Region zählen die Nuba‑Berge etwa so viel Fläche wie Österreich und beherbergen zahlreiche ethnische Gruppen; viele Menschen leben dort seit Jahren in Unsicherheit.
Wurzeln des Konflikts
Die Spannungen reichen zurück bis 2011. Bei der Unabhängigkeit des Südsudans wurde die Region außen vor gelassen. Seither kontrolliert die Rebellenbewegung SPLM‑N weite Teile der Nuba‑Berge und fordert ein Ende der Marginalisierung der lokalen Bevölkerung.
Immer wieder gibt es Angriffe der sudanesischen Armee gegen die Region — ein Konfliktmuster, das sich über Jahrzehnte erstreckt.
Der aktuelle Krieg im Sudan, der vor drei Jahren begann, hat die Nuba‑Berge zusätzlich belastet. Schätzungen zufolge forderte der Konflikt mehr als 150'000 Menschenleben und trieb rund 14 Millionen Zivilisten in die Flucht. Für die Nuba‑Berge bedeutete das eine doppelte Belastung: bereits verletzliche lokale Gemeinden mussten jetzt auch Humanitäre aufnehmen.
Neue Allianzen, veränderte Praxis
Im Februar 2025 trat eine überraschende Entwicklung zutage: Die SPLM‑N ging eine Allianz mit den Rapid Support Forces (RSF) ein — der Miliz, die in früheren Jahren selbst als Angreifer in der Region aufgetreten war. Analystin Jalale Getachew Birru kommentiert die Verbindung nüchtern: "Beide Seiten haben ein gemeinsames Interesse. Deshalb arbeiten sie im Moment zusammen - gegen die sudanesische Armee." Sie sagt, beide Kräfte streben nach einem neuen föderalen System.
Solche Bündnisse verändern die Situation vor Ort deutlich. In vielen Orten sind RSF‑Kämpfer inzwischen offen präsent: Sie sitzen in Cafés, bewegen sich auf Märkten und bieten Waren an, die offenbar aus Plünderungen aus anderen Landesteilen stammen. Vor Ort wird berichtet, dass Betten, Treibstoff, Dünger, elektronische Geräte und sogar Autos verkauft werden. Solche Szenen zeigen, wie bewaffnete Gruppen teils alltägliche Ökonomien übernehmen und staatliche Kontrolle verdrängen.
Humanitäre Zugänge und Versorgung
Hilfeorganisationen stehen vor enormen Problemen. Der andauernde Kampf, wechselnde Frontlinien und die Präsenz bewaffneter Gruppen erschweren sichere Lieferungen. Medizinische Versorgung ist knapp; Gesundheitshelfer wie Koko arbeiten unter ständigem Risiko. Viele Hilfseinrichtungen sind beschädigt oder haben Personal verloren.
Vertreibung, zerstörte Infrastruktur und schwieriger Zugang erschweren die Wiederherstellung grundlegender Dienste. Lebensmittel, Wasser und medizinische Güter erreichen nicht alle Bedürftigen. Zudem erhöht die Präsenz bewaffneter Gruppen die Gefahr, dass Hilfslieferungen gestohlen oder politisch instrumentalisiert werden.
Politische Folgen im Sudan
Die Allianz zwischen SPLM‑N und RSF verkompliziert die politische Landkarte im Sudan. Ein Bündnis, das gegen die sudanesische Armee gerichtet ist, könnte kurzfristig militärischen Druck auf Regierungstruppen erhöhen — gleichzeitig ist die Partnerschaft fragil, weil beide Seiten historisch unterschiedliche Interessen haben. Analystin Jalale Getachew Birru weist darauf hin, dass gemeinsame Ziele gegenwärtig die Kooperation tragen, nicht unbedingt langfristige politische Übereinstimmung.
Für die sudanesische Zentralregierung bedeutet die veränderte Lage zusätzliche Herausforderungen: Einerseits droht eine Zersplitterung der Machtbasis, andererseits könnten bewaffnete Akteure die Kontrolle über Rohstoffe und Handelsrouten ausbauen. Und das hat Folgen für die regionale Stabilität.
Ökonomische Konsequenzen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen reichen weit über die Nuba‑Berge hinaus. Interne Vertreibung unterbricht Produktionsketten und landwirtschaftliche Aktivitäten; Ackerland bleibt ungenutzt, Ernten gehen verloren. Der Schwarzmarkt für Güter, die aus geraubtem Eigentum stammen, untergräbt legale Wirtschaftszweige und schafft zusätzliche Unsicherheit.
Außerdem sind die Kosten für Wiederaufbau und humanitäre Hilfe sehr hoch. Regionen, die bereits arm sind, brauchen Investitionen in Infrastruktur, Gesundheit und Bildung — all das kostet Geld, das anderswo im Land knapp ist. Internationaler Hilfsbedarf steigt, und die Nähe zu wichtigen Handelswegen im Horn von Afrika erhöht die Bedeutung dauerhafter Lösungen.
Perspektiven vor Ort
Viele Menschen in den Nuba-Bergen fühlen sich erschöpft. Die jüngste Gewalt hat Leben verändert, sagt Hassan Koko: "Meine Familie war froh, dass ich lebe. Sie dachten, ich würde sterben. Aber mein Leben ist nicht mehr dasselbe." Seine Worte stehen für eine Generation, deren Alltag von Unterbrechungen, Verlusten und Unsicherheit geprägt ist.
Gleichzeitig gibt es lokale Bemühungen, Strukturen aufrechtzuerhalten: informelle Märkte, medizinische Notversorgung und Netzwerke zur Nahrungsmittelverteilung. Doch solche Maßnahmen reichen nicht, um langfristige Stabilität herzustellen. Viele Beobachter warnen, ohne politischen Dialog und gesicherte humanitäre Korridore bleibt die Lage explosiv.
Was bleibt zu tun
Konkrete Lösungen erfordern mehrere Ebenen: humanitäre Hilfe muss sicherer und verlässlicher zugänglich werden; bewaffnete Gruppen müssen sich an Regeln halten, die Zivilisten schützen; und politische Verhandlungen sind nötig, um dauerhafte Arrangements für Verwaltung und Machtteilung zu finden. All das ist leichter gesagt als getan — die Rivalitäten sind tief, und vergangene Vereinbarungen sind oft gescheitert.
Für die Menschen in den Nuba‑Bergen bleibt der Alltag eine Abfolge von Notlösungen, Hoffnung und Anpassung. Die Region zeigt, wie Rückzugsräume unter Dauerstress geraten — und wie schwierig es ist, Sicherheit wieder aufzubauen, wenn Machtfragen ungelöst bleiben.
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Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.