Weniger Öl erreicht den Weltmarkt. Die Folge: deutlich steigende Preise.

Was gerade passiert

Bis zu 120 Dollar pro Barrel zahlten Käufer für die Nordseesorte Brent in Spitzenzeiten - für eine Lieferung im Juni. Aktuell notiert der June-Contract bei rund 97 Dollar.

Die Ursache ist klar: Die Sperrung der Straße von Hormus sorgt dafür, dass kurzfristig rund 12 Millionen Barrel nicht auf den Markt kommen.

Das sind etwa 12 Prozent der weltweiten Produktion, so heißt es im Marktbericht der Tagesschau-Redaktion. Raffinerien in Europa und Asien reagieren darauf, indem sie jetzt mehr einkaufen müssen, um die Ausfälle zu ersetzen. Wer Öl sofort braucht, zahlt im Moment deutlich mehr als jene, die auf spätere Liefertermine setzen.

Die Lage zeigt sich in zwei Preisen: den Spotpreisen für sofort verfügbare Fracht und den Terminpreisen für spätere Lieferungen. Bei den Spotgeschäften wurden zeitweise bis zu 150 Dollar pro Fass berichtet.

Warum die Preise auseinanderlaufen

Der Markt hat ein starkes Auseinanderdriften erlebt. Händler sprechen von Panik bei physischen Lieferungen, erklärte Adi Imsirovic, Ölhändler, gegenüber dem Portal Market Screener. "Wenn ein echter, physischer Mangel herrscht, denken die Akteure nicht an die Lieferung im Juli", sagte Imsirovic, "sondern an Öl, das sofort verfügbar ist."

Diese Denkweise treibt die Spot-Notierungen nach oben. In solchen Situationen spricht man von Backwardation — also einem Zustand, in dem die Preise für sofortige Lieferung über denen für spätere Liefertermine liegen. Das Gegenteil, Contango, würde auf ein Überangebot hindeuten.

Gleichzeitig senden die Futures-Sätze ein anderes Signal. Der Juni-Kontrakt liegt bei etwa 97 Dollar, der Dezember-Kontrakt bei rund 80 Dollar. Das deutet darauf, dass der Terminmarkt eine Entspannung später im Jahr erwartet. Marktteilnehmer setzen also zumindest teilweise darauf, dass die Passage der Straße von Hormus wieder frei wird.

Politik, Verhandlungen, Börsenreaktionen

Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien sollen am Samstag beginnen. Die Börse reagierte zwar zunächst verhalten; doch im Tagesverlauf baute der DAX seine Gewinne aus und stieg rund ein Prozent, berichtete die Tagesschau-Redaktion. Das zeigt: Märkte hängen stark an Nachrichten über Diplomatie und Sicherheit.

Eine Wiederöffnung der Seewege wäre der offensichtlichste Weg, das Angebot zu erhöhen und die Lage zu beruhigen. Bis dahin bleibt die Versorgungslage fragil, weil Schifffahrtsrouten nicht einfach umgestellt werden können und weil Lagerbestände nicht unbegrenzt sind.

Die geopolitische Komponente ist entscheidend. Schon kleine Störungen auf einer stark befahrenen Route haben große Auswirkungen, weil sich Versorgungsketten global verzweigt haben. Was lokal passiert — eine Blockade, ein militärischer Schlag — hat sofort weltweite Folgen.

Wirtschaftliche Folgen weltweit

Steigende Ölpreise treffen Verbraucher direkt: Benzin, Diesel, Heizöl werden teurer. Das wirkt sich auf Transportkosten, Produktionskosten und damit auf die Inflation aus. Energieintensive Branchen geraten unter Druck, wenn sie Rohstoffe zu höheren Preisen einkaufen müssen.

Terminpreise, die später wieder fallen, mildern die schlimmsten Befürchtungen etwas. Doch die Terminmärkte liegen noch über dem Niveau vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs: Damals notierten die Juni-Kontrakte unter 70 Dollar. Die aktuelle Entwicklung zeigt also, dass die Märkte zwar Hoffnung haben, aber vorsichtig bleiben.

Händler und Analysten beobachten zwei Dinge besonders: die Dauer der Sperrung der Straße von Hormus und den Verlauf der Verhandlungen. Sind die Verhandlungen erfolgversprechend, könnten Schiffe bald wieder passieren und die Spotpreise zurückgehen. Scheitern die Verhandlungen, bleibt die Versorgung knapp — und die Preise bleiben hoch.

Welche Risiken bleiben

Die unmittelbare Risikoquelle ist die physische Unterbrechung der Lieferketten. Langfristig können hohe Energiepreise Wachstum bremsen, weil höhere Kosten bei Unternehmen und Konsumenten verfügbare Ressourcen verringern.

Hinzu kommt die Marktpsychologie: Sobald Händler Panik spüren, kaufen sie auf Vorrat, und das verschärft den Mangel kurzfristig. Genau das haben die hohen Spotpreise gezeigt, so Adi Imsirovic gegenüber Market Screener.

Es gibt technische Risiken für die Schifffahrt — etwa Umwege durch andere Routen, die aber Zeit und Geld kosten — und politische Risiken, falls weitere Eskalationen folgen. Beides verknappt effektive Kapazitäten zusätzlich.

Was das für die Schweiz bedeuten kann

Die Schweiz ist in ihren Rohstofflieferungen mit dem internationalen Markt verbunden; sie importiert nahezu alle fossilen Energieträger. Steigende Rohölpreise auf den Weltmärkten wirken sich daher indirekt auch auf das Inland aus, über höhere Treibstoffkosten, steigende Transporttarife und einen generellen Aufwärtsdruck auf die Inflation.

Für den Schweizer Detailhandel und Logistiksektor können höhere Treibstoffkosten die Margen schmälern. Das wiederum kann Preise für Konsumgüter treiben oder Gewinne drücken. Für energieintensive Industrien in der Schweiz bedeuten steigende Vorleistungskosten zusätzlichen Druck auf Wettbewerbsfähigkeit und Budgetplanung.

Finanzmärkte in der Schweiz reagieren ebenfalls sensibel auf Ölpreis-Schocks. Auch wenn die nationale Währung und die Bankenwelt andere Stabilisierungsmechanismen haben als rohstoffexportierende Staaten, beeinflussen höhere Energiepreise die Gesamtinflation und damit Zinserwartungen und Anlagerisiken.

Das alles hängt stark davon ab, wie lange die Sperrung andauert und ob die globale Schifffahrt wieder normal arbeiten kann. Kurzfristige Versorgungslücken schlagen schnell auf die Preise durch; mittel- bis langfristig entscheidet die politische Lösung über die Erholung.

Wie Händler und Staaten reagieren

Händler erhöhen kurzfristig Kaufvolumina und suchen Ausweichlieferungen. Einige Raffinerien schalten ihre Produktion um oder lagern mehr Vorräte ein. Staaten behalten strategische Reserven im Blick und prüfen diplomatische sowie logistische Optionen, um Engpässe zu kompensieren.

Die Reaktion ist ein Mix aus Marktmechanismen und politischem Handeln. Märkte preisen die Unsicherheit sofort ein. Regierungen versuchen parallel, durch Verhandlungen und Sanktionen die Ursachen anzugehen oder Lieferwege zu sichern.

Wenn die Verhandlungen am Samstag erfolgreich verlaufen, könnte sich der Druck auf die Spotmärkte verringern. Bleiben sie ohne greifbares Ergebnis, ist mit anhaltender Volatilität zu rechnen — vor allem bei kurzfristig gelieferten Rohstoffen.

Related Articles

Der Terminpreis für Juni liegt bei rund 97 Dollar, für Dezember bei etwa 80 Dollar.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.