Die US-Inflation sank im Mai auf 4,0 Prozent, während die Fed den Leitzins bei 5,00-5,25 Prozent beließ. Diese Kombination verschafft Zentralbanken Spielraum, das Tempo der Straffung zu überdenken und prägt diese Woche die geldpolitische Debatte in Europa und in der Schweiz. Beobachter sehen in Washington Hinweise auf eine mögliche Zinspause, schliessen aber kurzfristige Senkungen aus. Als nächster konkreter Termin steht die Bekanntgabe der US-Notenbankentscheidung mit den aktualisierten Wirtschaftsprognosen an.

Die offensichtliche Lesart ist einfach. Ein Leitzins von 5,00-5,25 Prozent zusammen mit einer jährlichen Inflation von 4,0 Prozent erlaubt es der Fed, ihre Linie zu überprüfen. Doch meine Lesart geht weiter. Nach zehn aufeinanderfolgenden Erhöhungen signalisiert die Kombination aus hohem Zinsniveau und sinkender Inflation, dass die Fed sich in einer Übergangsphase befindet, in der das Tempo der Straffung neu bewertet wird.

Was die Zahlen aussagen

Die US-Verbraucherpreisinflation sank im Mai auf 4,0 Prozent im Jahresvergleich, nach 4,9 Prozent im Vormonat. Ökonomisch ist das ein klarer Rückgang. Kommentatoren interpretieren den Trend als Wirkung der bisherigen straffen US-Geldpolitik. Zugleich liess Fed-Chef Jerome Powell nach einer Sitzung die Möglichkeit einer Zinspause offen. Er betonte aber zugleich, dass Zinssenkungen nicht unmittelbar bevorstünden. Analysten hatten weitgehend erwartet, dass die Fed den Leitzins in der Spanne 5,00-5,25 Prozent belässt. Diese Erwartung trifft auf Märkte, die nun auf die nächste Zinsentscheidung und die dazu veröffentlichten Prognosen schauen.

Höhere Leitzinsen wirken auf zwei Kanälen. Direkt erhöhen sie die Kreditkosten für Haushalte und Unternehmen. Indirekt dämpfen sie das wirtschaftliche Wachstum, was Nachfrage und Preise senkt. Diese klassische geldpolitische Logik durchzieht die Diskussionen in den USA und in der Schweiz. In vielen Beiträgen wird darauf hingewiesen, dass die reale Wirkung zeitverzögert eintritt, und dass Zentralbanken vor allem über die Nachfrageseite steuern.

Politische und institutionelle Reaktionen in Europa und der Schweiz

In Europa hat die EZB Schritte angekündigt, Klimaaspekte stärker in ihre geldpolitischen Operationen einzubeziehen. Konkret will die EZB bei der Reinvestition von Erlösen aus auslaufenden Firmenanleihen künftig stärker auf Titel von Unternehmen mit niedrigeren Treibhausgasemissionen und besseren klimabezogenen Offenlegungen achten. Die EZB nannte ein durchschnittliches jährliches Auslaufvolumen von rund 30 Milliarden Euro an Firmenanleihen, dessen Reinvestition künftig nachhaltigkeitsorientierter gestaltet werden soll. Parallel plant die EZB Anpassungen der Kriterien zur Eignung von Sicherheiten in Kreditgeschäften, um den Anteil hoch-emittierender CO2-Verbraucher zu begrenzen. Die EZB gab an, die Umsetzung bis Ende 2024 anzustreben, sofern die technischen Voraussetzungen erfüllt seien.

Christine Lagarde erklärte, die Schritte setzten die Zusage zum Kampf gegen den Klimawandel in die Tat um. Isabel Schnabel betonte, ein Komplettausschluss besonders emissionsstarker Unternehmen sei nicht vorgesehen, um Anreize für einen ökologischen Übergang zu bewahren. Ökonomisch ergibt sich daraus eine doppelte Wirkung: Auf der einen Seite soll die Geldpolitik klimafreundlich ausgerichtet werden.

Auf der anderen Seite verändern sich die Rahmenbedingungen für Firmenfinanzierung und Bankbilanzen, da bestimmte Papiere bei geldpolitischen Operationen anders behandelt werden.

In der Schweiz hat die Debatte eine andere Richtung. Die Schweizerische Nationalbank hat ein neues, auf Inflationsprognosen basierendes geldpolitisches Konzept eingeführt, das eine indirekte Steuerung eines Geldmarktsatzes vorsieht. Der Spitzenverband der Wirtschaft, Vorort, forderte deshalb mehr Transparenz. Vorort bemängelte, die SNB habe nicht offengelegt, welche Prognosemodelle und Einzelindikatoren sie zur Abschätzung der Inflationsaussichten verwende. Der Verband warnte, ein breiter Ermessensspielraum in der Interpretation könne zu Verwirrung bei Märkten und Wirtschaftsteilnehmern führen.

Gleichzeitig warnt der US-Ökonom Benjamin Friedman, der in Zürich vortrug, davor, geldpolitische Straffungen könnten bei heutigen Inflationsschüben nur begrenzt wirken, wenn diese primär von Angebotsengpässen geprägt seien. Friedman wies darauf hin, dass Notenbanken vornehmlich über die Nachfrageseite wirken und erfahrungsgemäss häufig spät mit Anpassungen sind. Damit steht die SNB vor einer kommunikativen Aufgabe: Sie muss erklären, wie ihr neues Instrument die Inflationsaussichten steuert und wie es zu bestehenden geldpolitischen Kanälen passt.

Für die Märkte ist entscheidend, wie Zentralbanken Governance und Transparenz gestalten. Die EZB kommuniziert bereits eine zeitliche Zielmarke für die Implementierung klimabezogener Regeln. Die SNB steht dagegen unter Druck, die Details ihres Prognoseansatzes zu offenbaren. Und die Fed liefert mit Zinshöhe und Inflation die Ausgangsdaten für die weitere Diskussion.

Meine Einschätzung ist, dass die aktuelle Kombination aus hohem Zinsniveau und fallender Inflation die Tür für eine Pause öffnet, nicht aber für schnelle Erleichterungen. Die Geldpolitik bleibt datenabhängig, und die nächste Wegmarke ist klar benannt.

Related Articles

Als nächster konkreter Termin wurde die Bekanntgabe der US-Notenbankentscheidung mit der Veröffentlichung aktualisierter Wirtschaftsprognosen genannt.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.